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Essstörungen

Meine Arbeit im Bonner Zentrum für Essstörungen e.V.

By 11. Mai 2026No Comments6 min read
Bonner Zentrum für Essstörungen e.V.

Wenn Menschen von Essstörungen betroffen sind, dauert es oft lange, bis sie sich Unterstützung suchen. Viele sind unsicher, ob ihre Probleme „schlimm genug“ sind, haben Angst, nicht ernst genommen zu werden oder wissen schlicht nicht, wohin sie sich wenden können.

Als das Bonner Zentrum für Essstörungen e.V. (BZE) 1988 gegründet wurde, bestand in Bonn und Umgebung genau für diese Menschen eine deutliche Versorgungslücke. Fachpersonen aus Medizin und Psychologie gründeten deshalb den gemeinnützigen Verein mit dem Ziel, Menschen mit Essstörungen und ihren Angehörigen frühzeitig Unterstützung und Orientierung anzubieten.

Und genau das ist bis heute geblieben.

Das Bonner Zentrum versteht sich nicht nur als Beratungsstelle für Essstörungen in Bonn, sondern auch als Ort für Prävention, Aufklärung und fachliche Vernetzung. Ziel ist es, Menschen möglichst früh zu erreichen, Orientierung zu geben und Essstörungen sichtbarer und verstehbarer zu machen. Ohne Scham, ohne Bewertung und möglichst niedrigschwellig.

Neben meiner eigenen Praxis arbeite ich dort in Orientierungsgesprächen, in der Präventionsarbeit und punktuell in Workshops mit. Für mich ist das Bonner Zentrum eine wichtige Anlaufstelle für Menschen, die sich Unterstützung wünschen. Unkompliziert, fachlich fundiert und ohne lange Wartezeiten. Gleichzeitig schätze ich die Zusammenarbeit und den kollegialen Austausch im Team sehr. Besonders die interdisziplinäre Zusammenarbeit, zum Beispiel mit Kolleg:innen aus der Ernährungstherapie, empfinde ich als unglaublich bereichernd.

Warum niedrigschwellige Unterstützung bei Essstörungen so wichtig ist

Viele Menschen suchen sich erst sehr spät Hilfe.

Oft, weil sie glauben, „noch nicht krank genug“ zu sein. Oder weil sie Sorge haben, nicht ernst genommen zu werden. Manche wissen auch gar nicht genau, ob das eigene Essverhalten bereits problematisch ist oder ob Unterstützung überhaupt „gerechtfertigt“ wäre. Gerade deshalb halte ich niedrigschwellige Orientierungsgespräche für so wichtig.

Es muss nicht erst alles eskalieren, bevor Menschen Unterstützung verdienen. Manchmal hilft es bereits, die eigene Situation gemeinsam einzuordnen, Gedanken auszusprechen oder erste Informationen zu bekommen. Häufig entsteht genau daraus ein erster kleiner Schritt in Richtung Entlastung.

Das Bonner Zentrum für Essstörungen bietet hierfür einen geschützten Rahmen. Für Betroffene und auch für Angehörige.

Meine Arbeit im Bonner Zentrum für Essstörungen

Ich biete im Bonner Zentrum für Essstörungen insbesondere Orientierungsgespräche rund um Essstörungen und belastetes Essverhalten an. Diese Gespräche finden mit mir online statt.

Das ermöglicht inzwischen auch Anfragen über den Bonner Raum hinaus. Gerade im ländlicheren Raum fehlen spezialisierte Beratungsstellen für Essstörungen häufig. Viele Menschen müssen weite Wege in Kauf nehmen oder finden gar keine passende erste Anlaufstelle. Auch deshalb sind Online-Angebote aus meiner Sicht so wichtig geworden.

In den Orientierungsgesprächen geht es nicht darum, Menschen vorschnell einzuordnen oder Diagnosen „abzuprüfen“. Vielmehr schauen wir gemeinsa

  • Was belastet gerade?
  • Welche Unterstützung könnte hilfreich sein?
  • Und was könnte ein nächster machbarer Schritt sein?

Mein Blick auf Essstörungen

Meine Arbeit ist systemisch geprägt. Das bedeutet unter anderem, dass ich Essstörungen nicht einfach als „falsches Verhalten“ betrachte, das möglichst schnell verschwinden soll.

Essstörungen erfüllen häufig eine Funktion. Sie können helfen, Gefühle zu regulieren, Kontrolle herzustellen, Stress auszuhalten oder mit innerem Druck umzugehen. Es ist deshalb oft wenig hilfreich, ausschließlich das Symptom „wegmachen“ zu wollen.

Mich interessiert vielmehr:
Was versucht das Essverhalten auszudrücken? Wobei hilft es vielleicht gerade? Welche Bedürfnisse oder Gefühle zeigen sich darin?

Manchmal beschreibe ich Essstörungen deshalb als eine Art Code, den wir gemeinsam verstehen lernen können.
Nicht um das Verhalten zu romantisieren, sondern um die Essstörung in ihrer tiefen Funktion zu verstehen und damit auch auflösen zu können.

Prävention: möglichst früh ins Gespräch kommen

Neben den Orientierungsgesprächen arbeite ich im Bonner Zentrum auch in der Präventionsarbeit und punktuell in Workshops mit.

Besonders wichtig ist mir dabei die Schulprävention. Dort arbeite ich mit einem Präventionskonzept, an dessen Entwicklung ich selbst mitgewirkt habe und das auch meine fachliche Haltung widerspiegelt. Prävention bedeutet für mich nicht Kontrolle, Verbote oder Ernährungsvorschriften. Es geht vielmehr darum,

  •  einen reflektierten Umgang mit Körperbildern zu fördern,
  •  frühzeitig über Gefühle, Stress und Druck sprechen zu können,
  • Schutzfaktoren zu stärken,
  • und erste Warnsignale ernst zu nehmen.

Gerade im Jugendalter können frühe Gespräche und verständnisvolle Begleitung einen wichtigen Unterschied machen.

Warum mir die Arbeit im Bonner Zentrum wichtig ist

Was ich am Bonner Zentrum besonders schätze, ist die Verbindung aus Fachlichkeit, Menschlichkeit und Gemeinnützigkeit.
Es geht dort nicht darum, möglichst effizient „Fälle abzuarbeiten“, sondern darum, Menschen ernst zu nehmen und Orientierung zu ermöglichen. Gleichzeitig erlebe ich die fachliche Reflexion im Team als unglaublich wertvoll. Der Austausch mit anderen Professionen hilft mir dabei, meine eigene Arbeit immer wieder weiterzuentwickeln und Essstörungen differenziert zu betrachten.

Für mich zeigt sich darin etwas sehr Wichtiges:
Gute Unterstützung entsteht nicht dadurch, dass jemand schnelle Lösungen vorgibt. Sondern dadurch, dass Menschen sich verstanden, gesehen und sicher fühlen dürfen.

Wenn du dich fragst, ob du Unterstützung gebrauchen könntest, musst du nicht erst an einem bestimmten Punkt angekommen sein.
Oft kann es bereits entlastend sein, die eigene Situation gemeinsam zu sortieren oder erste Orientierung zu bekommen.

Mehr Informationen zum Bonner Zentrum für Essstörungen e.V. findest du hier:
Bonner Zentrum für Essstörungen e.V.

Da das Bonner Zentrum für Essstörungen e.V. ein gemeinnütziger Verein ist, ist die Arbeit auch auf Spenden angewiesen. Wer die Beratungs- und Präventionsarbeit unterstützen möchte, findet hier weitere Informationen: https://www.b-z-e.de/spenden/
Alles Liebe,

Lena Steiger