Skip to main content
Schulprävention

Essstörungen vorbeugen in der Schule: Einblick in einen Präventionsworkshop

By 26. März 2026No Comments6 min read
Schulprävention Essstörungen Workshop 7. Klasse Körperbild und Selbstwert

Jugendliche wachsen heute in einer Welt auf, in der Körper ständig bewertet werden, in der Vergleiche allgegenwärtig sind und in der viele Botschaften darüber kursieren, wie man sein „sollte“. Schule ist dabei nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch ein sozialer Raum, in dem genau diese Dynamiken spürbar werden.

Gerade in der Mittelstufe befinden sich Jugendliche in einer intensiven Phase der Identitätsentwicklung. Es ist eine Zeit, in der sie herausfinden, wer sie sind, wofür sie stehen und wie sie sich selbst erleben. Gleichzeitig ist das Bedürfnis, dazuzugehören, besonders hoch. Dieses Spannungsfeld, zwischen dem Wunsch, man selbst zu sein, und dem Bedürfnis, Teil einer Gruppe zu sein, kann herausfordernd sein und macht Jugendliche in dieser Phase besonders empfänglich für äußere Einflüsse.

Umso wichtiger ist es, genau in dieser Zeit nicht nur Risiken zu thematisieren, sondern das zu stärken, was innerlich Halt geben kann. In der Fachsprache sprechen wir hier von Schutzfaktoren – im Erleben der Jugendlichen sind es oft kleine, aber bedeutsame Impulse, die einen Unterschied machen.

Genau an dieser Stelle setzt meine Arbeit an.

Im Februar durfte ich am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Wiehl  die 7. Jahrgangsstufe im Rahmen eines Präventionsworkshops begleiten. Zwei Termine à 90 Minuten, bewusst auf zwei Tage verteilt pro Klasse boten Raum zum Nachdenken, Nachwirken und Weiterdenken. Im Mittelpunkt stand dabei nicht die Frage, wie Essstörungen entstehen, sondern was Jugendliche stärkt im Umgang mit sich selbst, ihrem Körper und ihrem Essverhalten.

Essstörungen verstehen: Schulprävention im Workshop

Der Einstieg in ein so sensibles Thema braucht vor allem eines: einen sicheren Rahmen. Kein Bewerten, kein Zwang, Persönliches zu teilen – aber die Einladung, sich einzubringen. Ein zentraler Zugang waren kurze Fallgeschichten, mit denen die Schüler:innen gearbeitet haben. Dabei ging es darum, sich einzufühlen und zu verstehen, wie unterschiedlich Essstörungen aussehen können.

Schnell wurde deutlich: Man sieht es nicht immer. Und es betrifft mehr, als man denkt.

Im weiteren Verlauf haben wir uns mit Körperbildern beschäftigt: mit dem, was Jugendliche ständig sehen, hören und übernehmen. Über Musik und Beispiele aus ihrer Lebenswelt entstand ein offener Austausch. Ein Gedanke zog sich dabei durch: Der Körper sagt nichts darüber aus, wie wertvoll ein Mensch ist.

Darauf aufbauend ging es um Bodyshaming. Anhand verschiedener Aussagen haben wir gemeinsam hingeschaut: Was steckt eigentlich dahinter? Dabei wurde deutlich: Nicht alles, was nicht „böse gemeint“ ist, ist auch unproblematisch. Ein weiterer Fokus lag darauf, die eigene Wahrnehmung zu schärfen und Möglichkeiten zu finden, mit solchen Situationen umzugehen.

Selbstwert, Gefühle und Essverhalten: Schutzfaktoren im Schulalltag stärken

Am zweiten Tag ging es darum, den Blick weg vom Außen hin zu sich selbst zu richten.

In einer Stationsarbeit konnten die Schüler:innen unterschiedliche Zugänge ausprobieren. Die Stationen waren so aufgebaut, dass sie zentrale Schutzfaktoren ansprechen und niedrigschwellig, alltagsnah und ohne Druck, etwas „richtig“ machen zu müssen, zum Nachdenken und Reflektieren anregten. Es ging zum Beispiel darum, den eigenen Körper bewusster wahrzunehmen, Gedanken über Essen zu hinterfragen oder sich mit Gefühlen auseinanderzusetzen. Immer mit dem Fokus darauf, neue Perspektiven kennenzulernen.

Die Zugänge waren dabei bewusst unterschiedlich gestaltet – teils kreativ, teils visuell, teils eher ruhig und für sich. So konnten die Jugendlichen auf ihre eigene Weise in Kontakt mit den Themen kommen, ohne sich öffnen zu müssen.

Erfahrungen aus der Schulprävention: Was ich aus der Arbeit mitgenommen habe

Die Arbeit mit den Klassen hat einmal mehr gezeigt, wie präsent das Thema bereits in diesem Alter ist. Es war spürbar, dass viele der Inhalte nicht „neu“ waren – sondern etwas angesprochen haben, das ohnehin schon da ist. Gedanken über den eigenen Körper, Vergleiche, Unsicherheiten. Gleichzeitig hat mich die Offenheit beeindruckt, mit der sich die Schüler:innen auf die Themen eingelassen haben. Der Austausch war ehrlich, zugewandt und oft erstaunlich reflektiert. Für mich war es auch wieder eine Erinnerung daran, wie wichtig es ist, Jugendliche in ihrer Lebenswelt abzuholen. Das gelingt nicht automatisch – sondern braucht Sprache, Beispiele und Zugänge, die für sie wirklich anschlussfähig sind.

Rückmeldung aus der Schule: So wurde der Präventionsworkshop erlebt

Auch von schulischer Seite wurde der Workshop sehr positiv aufgenommen und dessen Relevanz von den Lehrpersonen immer wieder betont.

„Die beiden Doppelstunden waren top vorbereitet und organisiert. Die Materialien waren sehr ansprechend und schülerorientiert gestaltet. Insgesamt wurden viele interessante Fallbeispiele besprochen.“

Auch von Eltern haben mich im Anschluss Rückmeldungen erreicht, die die Inhalte und den Umgang mit dem Thema als hilfreich und wichtig beschrieben haben. Die Rückmeldungen zeigen, wie bedeutsam es ist, Prävention nicht nur fachlich fundiert, sondern auch zugänglich und lebensnah zu gestalten.

Schulprävention Essstörungen: Angebot für Schulen und Lehrpersonen

Schulprävention kann Räume öffnen, in denen Themen wie Körperbild, Essverhalten und Selbstwert einen Platz bekommen. Sie kann Impulse setzen, Perspektiven erweitern und dazu beitragen, dass Jugendliche sich selbst und andere ein Stück besser verstehen. Manchmal kann sie aber auch ein Wegweiser in weiterführende Hilfen sein. Hierzu gab es eine besondere Aufgabe in der Stationsarbeit, nämlich einen ersten Satz zu formulieren, wenn man die in der Station aufgezeigten Hilfen in Anspruch nehmen möchte.

Gerade in einer Phase, in der so viel in Bewegung ist, kann es einen Unterschied machen, früh Impulse zu setzen, die stärken und Orientierung geben.

Wenn Sie sich für ein Präventionsangebot an Ihrer Schule interessieren oder Fragen haben, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme.

Herzliche Grüße

Lena Steiger