
Selbstständigkeit und Muttersein: Wie passt das zusammen?
Eigentlich wollte ich einen Jahresrückblick schreiben. So einen ganz klassischen. Was ist alles passiert? Was hat sich entwickelt? Worauf bin ich stolz?
Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr habe ich gemerkt, dass es darum für mich gar nicht geht. Wenn ich auf dieses erste Praxisjahr zurückblicke, denke ich gar nicht als Erstes an die Praxis. Ich denke an die letzten drei Jahre.
Seit 2022 sind meine beiden Kinder geboren. Und seitdem bin ich dabei, in eine neue Identität hineinzuwachsen. Als Mama. Als Therapeutin. Und einfach als ich. Als ich die Praxis eröffnet habe, war Selbstständigkeit für mich die einzige Option, weil ich in meinem Alltag als Mama so viel Fremdbestimmung und so wenig Selbstbestimmung gespürt habe. Ich glaube, eine Anstellung hätte ich damals gar nicht geschafft. Ich hätte es nicht ausgehalten, noch einen Bereich zu haben, in dem ich das Gefühl habe, eingeschränkt zu sein. Im Nachhinein denke ich manchmal, dass es wahrscheinlich leichter gewesen wäre, erst einmal herauszufinden, wer ich in dieser neuen Lebensphase eigentlich bin. Wie meine berufliche Identität, meine private Identität und meine Identität als Mama zusammenpassen. Stattdessen habe ich gleichzeitig versucht, eine existenzsichernde Praxis aufzubauen. Ehrlich gesagt war das auf allen Ebenen richtig heftig. Und vielleicht auch ein bisschen bescheuert. Gleichzeitig hat mir die Praxis etwas zurückgegeben, was ich damals dringend gebraucht habe. Sie hat mir Balance gebracht zwischen Bindung und Autonomie.
Ein Jahr Selbstständigkeit: Zwischen Existenzdruck und Vertrauen
Die ersten Monate waren schwer. Natürlich wusste ich, dass es dauert, bis Menschen den Weg in eine neue Praxis finden. Und trotzdem bleibt es nicht aus, dass man irgendwann anfängt, an sich selbst zu zweifeln. Ich habe Werbung gemacht, mich vorgestellt, Kontakte geknüpft und irgendwann saß ich in meiner Praxis und habe mich gefragt: Liegt es vielleicht an mir? Mache ich hier etwas falsch? Bin ich vielleicht doch nicht gut genug? Zu wenig Wissen und Professionalität? Ein paar Wochen hält man solche Gedanken gut aus. Bei mir ging es aber etwas länger. Irgendwann dachte ich nur noch: „Ich weiß, dass das laufen wird. Ich weiß, wie wichtig und präsent dieses Thema ist. Ich weiß, dass Menschen zu mir finden werden. Ich weiß nur nicht, wie lange ich das Warten aushalte.“ Heute ist der finanzielle Existenzdruck zum Glück kleiner geworden. Die Termine werden voller. Und ich merke, dass sich auch meine Fragen verändert haben.
Passt mein Leben zu mir oder passe ich zu meinem Leben?
Heute frage ich mich viel weniger, ob die Praxis funktionieren wird. Ich frage mich viel mehr, wie ich mein Leben gestalten möchte. Wie viel Raum bekommt die Arbeit? Wie viel Raum bekommt meine Familie? Wie viel Raum bekomme ich selbst? Das sind Fragen, die mich mein Leben lang begleiten werden. Und das finde ich inzwischen gar nicht mehr schlimm. Früher hatte ich oft das Gefühl, ich arbeite auf etwas hin und fange dann an zu leben. Heute möchte ich einfach jetzt leben. Ich möchte im Hier und Jetzt immer wieder schauen: Passt mein Leben zu mir, anstatt passe ich zu meinem Leben? Ich habe Visionen für meine Praxis. Vielleicht wird vieles ganz anders, als ich es mir heute vorstelle. Das ist okay. Es muss keine Zehn von Zehn sein. Manchmal ist es eine Sechs. Manchmal eine Acht. Die Basis muss stimmen. Mit den Abstrichen, die dazugehören, kann ich leben. Und zwar gut.
Identität und Selbstwert: Was das mit meiner Arbeit zu tun hat
Während ich darüber nachgedacht habe, ist mir aufgefallen, dass genau diese Fragen auch in meinen Beratungen immer wieder auftauchen. Nach außen geht es oft ums Essen oder um den Körper. Wenn wir gemeinsam etwas tiefer schauen, geht es ganz häufig um Identität. Um Selbstwert. Um die Frage: Wer bin ich eigentlich? Ich erlebe immer wieder, dass Menschen versuchen, sich zu verändern und sich passend zu machen. Und dabei verlieren sie sich selbst aus den Augen. Essen oder Nichtessen wird dann manchmal zu einer Lösungsstrategie. Ich begleite Menschen gar nicht in erster Linie dabei, ihr Essverhalten zu verändern. Ich begleite sie dabei, sich selbst wieder zu entdecken. Sich selbst als handlungsfähig zu erleben. Vertrauen aufzubauen. Und sich davon zu überzeugen, dass sie längst wertvoll sind.
Ach, tut gut so etwas mal runter zu schreiben!
Wenn Du das Gefühl hast, dass es Zeit ist Dein Leben an Dich anzupassen und aufzuhören, Dich an Dein Leben anzupassen – dann melde Dich doch gern. Termine zu einem kostenlosen Kennenlernen findest Du hier: https://lena-steiger.de/termin-buchung/
Alles Liebe
Lena


